30 Jahre BERLINER SOMMER-UNI

30 JAHRE BERLINER SOMMER-UNI

Auszug aus der Rede des Vorsitzenden der BERLINER AKADEMIE, Traugott Klose, zur Eröffnung der 30. BERLINER SOMMER-UNI am 31.8.2015 in der Universität der Künste Berlin.

Zum dreißigsten Mal organisieren wir gemeinsam mit einer der Berliner Universitäten diese wissenschaftliche Weiterbildung für Sie. Sie haben zum großen Teil schon mehrmals und manche von Ihnen schon ganz oft daran teilgenommen. Sie zeigen damit, dass Sie dieses Angebot sehr schätzen. Wir freuen uns darüber und sind stolz auf dieses Jubiläum.

Zum ersten Mal gab es die BERLINER SOMMER-UNI im Jahr 1986. Zwei Jahre zuvor war die BERLINER AKADEMIE in Berlin (West) auf Initiative von Frau Dr. Wilma Münkel gegründet worden. Frau Münkel hatte erst in höherem Lebensalter nach einer langjährigen Berufstätigkeit ein Soziologiestudium begonnen, abgeschlossen und schließlich noch promoviert. Sie wollte ihre eigenen positiven Bildungserfahrungen auch an andere weitergeben, insbesondere an Frauen, die häufig zugunsten von Familie und Ehemann auf Studium und beruflichen Aufstieg verzichten mussten. Sie fand, dass die West-Berliner Universitäten zu wenig für ältere Menschen tun, sich zu wenig um Gasthörer/-innen bemühen und sie anleiten.

Frau Münkel baute ein breites Netzwerk von Gleichgesinnten und Förderern auf. Die Gleichgesinnten fand sie vor allem unter den Teilnehmern der ersten großen Berliner Altersstudie am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Zu den Förderern gehörte der auch dort tätige Bildungsökonom Prof. Friedrich Edding, der zur gleichen Zeit Pate gestanden hatte für das BANA-Gasthörerangebot an der TU Berlin: Berliner Ausbildung für nachberufliche Aktivitäten. In der Berliner Senatsverwaltung für Soziales gab es den engagierten Senatsrat Dietmar Freier und in der FU-Verwaltung den Erwachsenenbildner Ottfried Schäffter, an der Hochschule der Künste Johannes W.Erdmann.

Die erste BERLINER SOMMER-UNI FÜR SENIOREN (wie es damals hieß), 1986 an der FU Berlin, erreichte auf Anhieb etwa 150 Teilnehmer, natürlich überwiegend weibliche. Sie wurde finanziell von der Sozialverwaltung unterstützt. Thematisch ging es um Einführungen in einzelne natur-, geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer, um Berliner Stadt- und Zeitgeschichte, Erziehungsprobleme – ein breites Spektrum. Es sollte Lust gemacht werden auf ein "Studium im Alter"- was auch Thema der abschließenden Podiumsdiskussion war.

Die zweite BERLINER SOMMER-UNI FÜR ÄLTERE ERWACHSENE 1987 fand an der TU Berlin statt und hatte schon einen eindeutigen Themenschwerpunkt: "Medien" - mit Referenten aus Publizistik und Wissenschaft.

Die dritte BERLINER SOMMER-UNI 1988 (ohne Nennung einer Adressatengruppe) fand erstmals an der Hochschule der Künste Berlin (heute UdK Berlin) statt mit dem Thema "Hoch- und Alltagskultur Berlins" und unter der "Schirmherrschaft des Hochschulpräsidenten. Es wurde erstmals die Zahl von 200 Teilnehmer-/innen überschritten. Bei dieser fachlichen und organisatorischen Kooperation mit einer der Berliner Universitäten blieb es auch in allen Folgeveranstaltungen.

Schon seit Frühjahr 1990 bestand dann auch enger Kontakt zur HU Berlin im jetzt offenen Ostteil der Stadt. Die BERLINER AKADEMIE organisierte zum Wintersemester 1990/91 ihre erste Vortragsreihe als Beitrag zur Seniorenuniversität an der Charité der HU. Also zu "25 Jahre Wiedervereinigung" gibt es bei uns in diesem Jahr ein weiteres Jubiläum: "25 Jahre Vortragsreihe der BERLINER AKADEMIE in der Charité"!

Überhaupt standen dann das Kennenlernen, der Aufbau von Verbindungen zwischen Ost und West, der Aufbau von Kontakten in das östliche Europa und die internationale Zusammenarbeit im Bereich wissenschaftlicher Weiterbildung im Mittelpunkt der Arbeit. Sehr viele Mitglieder beteiligten sich aktiv und nahmen auch an Besuchsreisen teil. Und es waren die Probleme und Folgen der Wende zu bearbeiten. Viele im Osten mussten sich neu orientieren, sich umstellen, hatten ihre Arbeit verloren, wurden unfreiwillig Vorruheständler. Frau Dr. Jutta Arnold, in der Charité der HU Berlin damals zuständig für Weiterbildung und Medizinpädagogik, wurde 2. Vorsitzende der BERLINER AKADEMIE und später Nachfolgerin von Frau Dr. Münkel.

1993 war erstmals die HU Berlin dann auch Kooperationspartner der 8.BERLINER SOMMER-UNI zum Thema "Europa im Aufbruch – Historische Strukturen und aktuelle Perspektiven" mit fast 400 Hörern/ -innen.

Bei der 20.BERLINER SOMMER-UNI im Jahr 2005 an der HU zum Thema "Erinnerung als Beitrag zur Zukunftsgestaltung" waren 450 Teilnehmer /-innen angemeldet. Auch im Jahr darauf an der FU Berlin zum Thema "Der Orient- Annäherungen an Mythos und Moderne" wurde eine ähnliche Zahl erreicht. In den letzten Jahren blieben die Teilnehmerzahlen bei 300-350 einigermaßen stabil, darunter zuletzt etwa 60 von außerhalb der Stadt und Region.

Wir haben das Grundkonzept der BERLINER SOMMER-UNI über alle Jahre beibehalten: Wir wählen zusammen mit der Berliner Universität, die im Turnus dran ist, das neue Rahmenthema und die Fragen aus, zu denen dann Beiträge aus verschiedenen Disziplinen präsentiert werden. Wir möchten durch die große fachliche Breite der Beiträge Mut machen den eigenen Horizont zu erweitern und anregen, nicht nur den üblichen Präferenzen der Gasthörer/ -innen zu folgen:

Kunst und Literatur bei Frauen, Geschichte und Philosophie bei Männern.

Wir haben vor allem auch globale Themen und Zukunftsthemen aufgegriffen und bewusst keine Themen des Alters und damit der persönlichen Betroffenheit gewählt.

Und zu jeder BERLINER SOMMER-UNI gehören neben Vorträgen und Diskussionen auch Führungen und Besichtigungen/ Exkursionen und kulturelle Ereignisse.

Natürlich hat sich auch immer wieder etwas strukturell verändert:

  • Die Gesamtdauer der SOMMER-UNI wurde von ursprünglich 10 Tagen auf eine Woche verkürzt.
  • Die Plenarvorträge dienen verstärkt auch der Präsentation neuer wissenschaftlicher Grundsatzdiskussionen durch Forscher-/-innen, die daran beteiligt sind. Die vier Berliner Universitäten erhalten damit Gelegenheit jeweils ihr Forschungsspektrum vorzustellen. Vermittlung von Wissenschaft in eine breite Öffentlichkeit ist auch eine Aufgabe der Universitäten und liegt in ihrem Interesse und in dem des Staates, der Wissenschaft ganz überwiegend finanziert.
  • Durch die seit drei Jahren bestehende Kooperation mit DRadio Wissen kann man auch einzelne Vorträge nachhören und findet diese auch auf der Internetseite der BERLINER AKADEMIE.

Und wie immer lebt die BERLINER SOMMER-UNI davon, dass es viele Ehrenamtliche gibt, die nicht nur aktiv dabei mithelfen, sondern eigene Aufgaben und Verantwortung übernehmen und zur Vielfalt des jeweiligen Programms beitragen.


Grußwort von Prof. em. Dr. Joachim Dikau beim Eröffnungskonzert der 30. BERLINER SOMMER-UNI am 31.8.2015

Dreißig Jahre BERLINER SOMMER-UNI, geplant und organisiert durch die BERLINER AKADEMIE – das ist ein Ereignis, das heute eine besondere Würdigung verdient. Denn hier geht es nicht um eine nur für eingeweihte Insider zugängliche Universitätsparty, sondern um eine erfolgreiche Bürgerinitiative, die mit ihren viel beachteten Aktivitäten seit den 80er Jahren in der Berliner Öffentlichkeit festen Fuß gefasst hat. Hier erstatten die von der öffentlichen Hand alimentierten Hochschulen über die Ergebnisse in der Forschung und Lehre ihre Leistungsberichte, die sie den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber auch schuldig sind - zugleich aber sind dies Lernangebote an diejenigen Bildungsinteressierten, die darin eine willkommene Chance sehen zur Bereicherung ihrer Lebensgestaltung, durch lernende Kommunikation aus allen Lebensbereichen sowie Berufs- und Altersgruppen Berlins.
Solche Veranstaltungen waren bis in die jüngere Vergangenheit noch keineswegs selbstverständlich – auch wenn (worauf ich selbst immer wieder gern mal hinweise) schon vor rund 400 Jahren Johann Amos Comenius an die Angehörigen aller Schichten der Gesellschaft zur Lernbereitschaft appelliert hat: "Wie für das ganze Menschengeschlecht die Welt eine Schule ist, vom Anbeginn der Zeit bis zu ihrem Ende, so ist auch für jeden einzelnen Menschen sein ganzes Leben eine Schule, von der Wiege bis zur Bahre. Es ist nicht genug, mit Seneca zu sprechen: In keinem Alter ist es zum Lernen zu spät; wir müssen vielmehr sagen: Jedes Lebensalter ist zum Lernen bestimmt und keinen anderen Sinn hat alles Menschenleben und alles Streben".
Nun sind in der heutigen Diskussion natürlich auch andere Impulse zum Lernen in den Vordergrund gerückt: Die rapiden Veränderung unserer Umwelt zwingen uns immer wieder zu der bangen Frage, welche Lebensbedingungen wir eigentlich mal unseren nachfolgenden Generationen hinterlassen können. Nicht zufällig war es gerade ein Wirtschaftswissenschaftler, nämlich der TU-Professor Friedrich Edding, der hier in West-Berlin die Initiative ergriff, die Leistungspotenziale der hiesigen Universitäten zu bündeln, um mit einem Kreis aktiver Bürgerinnen und Bürger diese Berliner Akademie zu gründen – natürlich alsbald dann auch mit glücklicher Vereinigung mit den länger schon erfolgreichen öffentlichkeitsbezogenenen Lehrveranstaltungen im Ostteil der Stadt. Die Akademie wurde damit auch ein willkommener Partner des damaligen "Arbeitskreises universitäre Erwachsenenbildung" (AUE) - heute "Deutsche Gesellschaft für Wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium" (DGWF), dessen Aktivität bereits bundesweit zur Einrichtung besonderer universitätseigener Zentralinstitute für diesen Bereich zu verdanken ist, dessen Lehre einst noch nach englischem Beispiel als "extramural" bezeichnet wurde. Dies alles war nun keinesfalls mehr zu vergleichen mit den bescheidenen Anfängen einer "Universitätsausdehnungsbewegung", in der sich bereits vor gut 100 Jahren liberale Dozenten mit "volkstümlichen Hochschulkursen" um die Darbietung ihrer Forschungsleistungen an das gehobene Bürgertum bemühten. – Aber heute geht es um mehr: um das Verständnis einer grundlegend verwandelten Welt:

  • einer Welt, die prinzipiell offen ist nach allen Seiten, erkundbar durch Reisen und intensive Studien, die aber kaum durchschaubar in ihren Strukturen, historischen Prägungen und entwickelten Verhaltensweisen bleibt,
  • einer Welt, die durch mediale Vielfalt Kommunikationen bisher unbekannten Ausmaßes ermöglicht, aber technisch schwer begreifbar und in ihren Gebrauchs- und Missbrauchsmöglichkeiten fragwürdig bleibt,
  • einer Welt, die gegenwärtig bisher ungeahnten wirtschaftlichen Reichtum verspricht, aber weder eine Gerechtigkeit in der Versorgung noch langfristig die Erhaltung aller materieller Ressourcen garantieren kann,
  • und schließlich auch einer Welt, in der allerorts Freiheit und demokratische politische Selbstbestimmung angestrebt werden, doch weder verbindliche Regelungen noch verlässliche Sicherungen dafür durchzusetzen sind.

Und nicht zu vergessen: Bei all den genannten Sorgen und Problemen sollte erfolgreiches Lernen auch Neugier wecken, Frohsinn schaffen und vielleicht sogar Spaß machen – für alle, so wieder Comenius, die sich selbst "kein fruchtloses Alter …, kein beschwerliches und hungriges Greisentum" wünschen, und da ist es besonders schön, in dieser Woche im Hause der Universität der Künste zu Gast zu sein. Hier steht für die Berliner Akademie jetzt das kulturelle Leben mit all seinen Facetten im Mittelpunkt, mit Beiträgen, die möglichst viele Anwesende ermuntern mögen zur Anregung und vielseitigen Gestaltung eines Lebens, das Sinn erfüllt und glücklich macht. Und so freue ich mich nun auf die Fortsetzung des Konzerts der "Jungen Klassik" und wünsche Ihnen allen den gleichen Genuss für die nächsten Stunden.

Und für die Berliner Akademie: "Macht weiter so!"


Berliner Sommer-Uni

32. BERLINER SOMMER-UNI an der Humboldt-Universität
28. August – 3. September 2017
"Material - Wissen - Kultur
zur Diskussion um das Humboldt Forum"

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