Berichte zur BERLINER SOMMER-UNI

Nachbetrachtung zur BERLINER SOMMER-UNI 2015

Rückblick auf die 30. BERLINER SOMMER-UNI 31.8. – 6.9.2015
in der Universität der Künste Berlin

MENSCH ENTWICKLE DICH
Kultur, Kunst und Spiel

Unter diesem Rahmenthema fand die BERLINER SOMMER-UNI in der Universität der Künste Berlin mit insgesamt 257 Teilnehmer /-innen statt. Nach der Begrüßung durch den Universitätspräsidenten Prof. Martin Rennert wurde bei der Eröffnung zunächst an das Jubiläum "30 Jahre BERLINER SOMMER-UNI" erinnert (siehe gesonderter Bericht).


Es gab wieder sechs Tagesthemen, zu denen jeweils zwei (am ersten Tag drei) Plenarvorträge gehalten wurden. An vier Nachmittagen standen jeweils vier thematisch ergänzende Nachmittagsveranstaltungen zur Auswahl. Zum Abschluss des ersten Tages musizierten für uns hochtalentierte Kinder und Jugendliche aus dem Frühförderprogramm (Julius-Stern-Institut) der Universität im Eröffnungskonzert " Junge Klassik". Am dritten Abend präsentierte sich der ebenfalls zur Universität gehörende Staats-und Domchor mit einer öffentlichen Chorprobe in Vorbereitung seines Jubiläums (550 Jahre). Für den folgenden Abend war im Deutschen Theater der Besuch einer neuen Theaterproduktion vereinbart, zum Thema "Leben und Sterben in Würde", gespielt von drei Frauen aus drei verschiedenen Kulturkreisen und Sprachen.


"Kulturgeschichte des Menschen":

Der Vortrag des Archäologen Prof.Dr.Wolfram Schier behandelte die Frage, wie und wo kulturelle Innovationen in der frühen Menschheitsgeschichte zustande gekommen sind. Es lässt sich an vielen Beispielen zeigen, dass die Entwicklung in Schüben verlief, sie in bestimmten Regionen anfing, es aberauch immer wieder Rückschritte gab. Die Entwicklung hat viele Ursachen und Motive: ökonomische, soziale, ökologische, aber auch kulturelle, religiöse, spielerische. Es ist nicht Not, die erfinderisch macht.

"Bilder des Menschen", ihre Entstehung, Funktionsweise, Bedeutung/Macht im Verlauf der Geschichte waren das Thema des Anthropologen Prof.Dr.Christoph Wulf. Imagination erzeugt zu einem erheblichen Teil die Welt des Menschen. Er sieht sich zunächst nur als Teil einer von Mythen geprägten Welt, erst sehr spät in der Geschichte sieht er sich als ein Gegenüber zur Welt. Heute gehe es um gemeinsame Vorstellungen vom Menschen in der Weltgesellschaft, etwa im Rahmen der Entwicklungsziele der Vereinten Nationen.

Das Spiel hat in der kindlichen Entwicklung eine zentrale Bedeutung ("ist überlebens-notwendig") und ist eine schöne "humane Möglichkeit". Es kann zu Kunst werden, wenn es auf ein Werk oder einen Prozess/ eine Aufführung ausgerichtet ist. Das war das Thema des Musikwissenschaftlers Prof.Dr.Hanns-Werner Heister.


"Kultur und Multikulturalität"

Spiel, Kult, Mythos, Religion - Begriffsklärungen dazu und Vorstellungen davon, wie Kulturerscheinungen entstehen und zusammenhängen, behandelte der Vortrag des Religionswissenschaftlers Dr.Mario Bührmann. Wichtig sei, dass schöpferische Vorgänge zu Erlebnissen und Ergriffensein führen.

Der Kommunikationswissenschaftler Prof.Dr.Lutz Huth analysierte ausgehend von Alltagsbeobachtungen über kulturelle Unterschiede, wie diese mit Sozialstrukturen und Funktionssystemen zusammenhängen und plädierte für Gelassenheit im Umgang damit.


"Spielräume der Künste"

Die Musiktherapeutin Prof.Dr.Susanne Bauer stellte mit schöner musikalischer Begleitung sehr anschaulich und einfühlsam dar, wie Musik auf Körper, Geist, Seele wirkt: von den frühen Kindheitserfahrungen bis zum Einsatz in der Therapie von Krankheiten und beim Umgang mit Behinderungen.

"Nur wenn er spielt, ist er ganz Mensch". Das Schillerzitat hatte sich eigentlich Prof.Dr.Peter Rummenhöller als Überschrift für seinen angekündigten Vortrag ausgewählt. Da er wegen Krankheit absagen musste, führten an seiner Stelle Prof.Dr.Hanns-Werner Heister und der Musiker Henning Wehmeier ein erheiterndes Zwiegespräch mit praktischen Vorführungen über Spiel und Kunst, über die menschliche Stimme und den Bau und die Rolle von Musikinstrumenten.


"Kunst – Spiel – Sinn"

Die Kunstdidaktikerin Prof.Dr.Ana Dimke berief sich auf die politische Philosophin Hannah Arendt als sie dafür plädierte, mit Kunst den Lebenssinn zu bedenken und zu handeln, das heißt aktiv am politischen Leben teilzunehmen. "Kunst muss besprochen werden."

"Künstler sind Spieler", sie wollen einen bestimmten Habitus entwickeln und damit Erfolg haben. Der Kulturhistoriker Prof.Dr.Wolfgang Ruppert stellte am Beispiel von Joseph Beuys, Martin Kippenberger und Chistoph Schlingensief vor, wie zeitgenössische Künstler ihr künstlerisches Ego entwickelt und in der Öffentlichkeit präsentiert haben.


"Spiel und Medien"

In der Ausbildung von Studierenden der Wirtschafts- und Gesellschaftskommunikation ist es wichtig, diesen Argumentationsstrategien und rhetorische Kunstgriffe beizubringen. Prof.Klaus Gasteier und Daniela Kuka führten vor, wie sich dafür Spielen als Methode eignet, wie man Antworten auf Fragen antizipieren und damit Konversation programmieren kann.

Die Politikwissenschaftlerin Prof.Dr.Jeannette Hofmann zeigte an mehreren erschreckenden Beispielen wie der Datenhunger ("Big Data", "Datification") alle gesellschaftlichen Bereiche durchzieht und welche Motive und Interessen diese Entwicklung antreiben.


"Spiele, Geschäft und Macht"

Der Informatiker Prof.Dr.Carsten Busch berichtete über Untersuchungen zur Nutzung von Medien und Computerspielen in Deutschland. Das menschliche Bedürfnis nach Geselligkeit sei aber immer noch so stark, dass neue interaktive Technologien und Computerspiele dies nicht verdrängen.

Im abschließenden Vortrag des Kommunikationswissenschaftlers Prof.Dr.Jürgen Schulz ging es um strategische Kommunikationsplanung in Geschichte und Gegenwart und wie Entscheidungsprozesse ("Kriegsspiele") in Wirtschaft und Gesellschaft theoretisch erklärt werden können.

Die Exkursion am letzten Tag der SOMMER-UNI führte nach Cottbus (mit 98 Personen), um dort gemeinsam Kunst und Kultur zu entdecken. Es gab Führungen im Jugendstil-Staatstheater und im neuen Kunstmuseum Dieselkraftwerk und schließlich im Schloss und Park Branitz des Fürsten Pückler.


Die UdK Berlin hat uns mit dem großen Konzertsaal in der Bundesallee und den nicht weit entfernten Seminarräumen und dem Café im Hause gute Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen und technische Unterstützung gegeben. Dafür sind wir sehr dankbar. Zu danken ist insbesondere auch unserem langjährigen Beiratsmitglied Prof. Johannes W.Erdmann, der in der UdK Berlin einen ganz wesentlichen Teil der Planung und Vorbereitung und schließlich auch bei der Moderation übernommen hat.

Wie immer aber wäre die Sommer-Uni ohne das vielfältige, große und ehrenamtliche Engagement vieler Mitglieder der BERLINER AKADEMIE gar nicht denkbar und durchführbar gewesen.

Wir freuen uns gemeinsam über den schönen Verlauf.

Traugott Klose


Beispiel für gemeinsames Dichten
aus der Nachmittagsveranstaltung:
3B – Spiel mit Worten (Workshop) am 2.9.2015
(Prof.Dr. Johannes W. Erdmann und Traugott Klose)

Zwei Gruppen zu 11 Personen sitzen um zwei große Tische. Jede Person hat jeweils ein Blatt vor sich, schreibt eine erste Zeile, reicht das Blatt am Tisch weiter und erhält ein Blatt mit einer ersten Zeile, schreibt darunter eine zweite, reicht das Blatt weiter, schreibt eine dritte usw. (jeweils innerhalb von 90 sec).

Am Ende gab es 22 Gedichte, darunter dieses zum Rahmenthema der 30. BERLINER SOMMER-UNI:

1 Ganz spielerisch, Mensch entwickle dich,
2 und lass Dich dabei nicht einwickeln
3 und verbiegen und bestimmen.
4 Von wem?
5 Du bist ein wunderbares Individuum
6 und wächst und wächst
7 zu dem,
8 was du sein möchtest.
9 Das könnte z.B. ein Adler sein oder?
10 Oder eine kleine Maus, ... lässt sie sich fangen?
11 Auf jeden Fall kann man zum Ziel gelangen!


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Verse und Gedichte zur BERLINER SOMMER-UNI 2015

30. BERLINER SOMMER-UNI 2015
Verse und Gedichte, ausgewählt und vorgetragen
von Traugott Klose


1. zum Rahmenthema: "MENSCH ENTWICKLE DICH Kultur, Kunst und Spiel"

Pindar (ca.520 – 446 v.Chr.), altgriechischen Lyriker und Komponist olympischer Hymnen
"Entwickle Dich zu dem einmaligen, unverwechselbaren, unaustauschbaren Menschen,
der in Dir angelegt ist!"

Clemens Brentano (1778- 1842)
"Entwickle Dich in Form und Licht und Tönen,
so wird der Heimat Bürgerkranz Dich krönen."


2. zum Tagesthema "Kulturgeschichte der Menschheit"

Vortrag des Prähistorikers/ Archäologen Prof. Wolfram Schier über
"Verlauf und Bedingungen prähistorischer kultureller Innovationen"

Karoline von Günderode (1780- 1806)
"Vorzeit und neue Zeit
Ein schmaler rauher Pfad schien sonst die Erde
Und auf den Bergen glänzt der Himmel über ihr,
Ein Abgrund ihr zur Seite war die Hölle,
Und Pfade führten in den Himmel und zur Hölle.

Doch alles ist ganz anders nun geworden,
Der Himmel ist gestürzt, der Abgrund ausgefüllt,
Und mit Vernunft bedeckt und sehr bequem zum Gehen.
Des Glaubens Höhen sind nun demolieret.
Und auf der flachen Erde schreitet der Verstand,
Und misset alles aus, nach Klafter und nach Schuhen."

Vortrag des Anthropologen Prof.Christoph Wulf über
"Bilder des Menschen: Imaginäre und performative Grundlagen der Kultur"

Andreas Gryphius (1616-1664)
"Ebenbild unseres Lebens
Der Mensch, das Spiel der Zeit, spielt, weil er allhie lebt
im Schauplatz dieser Welt; er sitzt und doch nicht feste.
Der steigt und jener fällt, der suchet die Paläste
und der ein schlechtes Dach, der herrscht und jener webt.
(...)
Wir sind zwar gleich am Fleisch, doch nicht von gleichem Stande:
Der trägt ein Purpurkleid und jener gräbt im Sande,
bis nach entraubtem Schmuck der Tod uns gleiche macht.
Spielt denn dies ernste Spiel, weil es die Zeit noch leidet,
und lernt, dass wenn man vom Bankett des Lebens scheidet,
Kron, Weisheit, Stärk und Gut sei eine leere Pracht!"


3. zum Tagesthema "Kultur und Multikulturalität"

Vortrag des Religionswissenschaftlers Dr.Mario Bührmann über
"Gehört das Spiel zur Religion?
Spannungsverhältnis von Kultur und Ästhetik, Mythos und Kult"

Richard Dehmel (1863-1920)
"Das Spiel der Welt
Dialog:
Die Seele sprach zur Welt:
Du machst Dich viel zu wichtig.
Dein Spiel ist ohne mich
im Grunde null und nichtig.

Zur Seele sprach die Welt:
Das ist im Grunde richtig.
Das Spiel machst Du, nicht ich.
Drum ist es gründlich nichtig.

Moral:
Die Seele macht sich gern
mit ihrer Welt zu wichtig.
Weltseele muss man sein,
dann macht man alles richtig."
(...)


4. zum Tagesthema " Kunst – Spiel – Sinn"

Vortrag der Kunstdidaktikerin Prof.Ana Dimke über
"Handeln – künstlerisch, pädagogisch, politisch"

Friedrich von Logau (1605 – 1655)
"Heutige Weltkunst
Anders sein und anders scheinen;
anders reden, anders meinen;
alles loben, alles tragen,
allen heucheln, stets behagen,
allem Winde Segel geben,
Bös`und Guten dienstbar leben;
alles Tun und alles Dichten
bloß auf eignen Nutzen richten:
Wer sich dessen will befleißen,
kann politisch heuer heißen."


5. zum Tagesthema "Spiel und Medien"

Vortrag der Politikwissenschaftlerin Prof.Jeanette Hofmann über
"Internet – größter Spielplatz – Big Data"

Hendrik Rost (geb.1969)
"Ode auf das Smartphone
Der Arbeitstag ist lang
und es spielt damit, dass jemand anrufen könnte.
Unsere Sinne sind erweitert
um seine berührungsempfindliche Realität –
als letzte Grenze die Akkus.
Es kann aufgerüstet werden, die Revolte als App,
aber es erklärt keinen Krieg,
der nicht längst die Dinge bebildert:
Despoten geraten global unters Volk.
Es lebt von Infos und Mauscheleien:
Daumen rauf, Daumen runter.
Ein jeder schuftet hart für so viel Naivität.
Und wir kehren zurück in höchste Auflösung.
Was wir wollen, wird gespeichert auf Vorrat.
Wenn wir nachts endlich einnicken,
liefert es Bestellungen
ans Universum."


6. zum Tagesthema "Spiele, Geschäft und Macht"

Vortrag des Informatikers Prof.Carsten Busch" über
"Neues Spiel – neues Glück: Entwicklung von digitalen Spielen und kulturelle Evolution"

Ernst Jandl (1925-2000)
"ottos mops (Gedicht verwendet für Computerspiel)

ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft.

ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott


7. zum abschließenden Rückblick auf die 30.BERLINER SOMMER-UNI

Eugen Roth (1895 -1976)
"Offene Fragen
(...)
Ein Mensch wird müde seiner Fragen:
Nie kann die Welt ihm Antwort sagen.
Doch gern gibt Auskunft alle Welt
auf Fragen, die er nie gestellt.°


PDF-Download - Verse und Gedichte bei der 30. BERLINER SOMMER UNI 2015

Nachbetrachtung zur BERLINER SOMMER-UNI 2014

Rückblick auf die 29. BERLINER SOMMER-UNI 25.8. – 31.8.2014
in der Freien Universität Berlin

"MENSCH UND UMWELT"
Wechselseitige Prägung, Erfordernis einer gesellschaftlichen Transformation

In diesem Jahr fand die BERLINER SOMMER-UNI schon zum achten Mal zusammen mit der FU Berlin statt. Es gab nach der Begrüßung durch den FU-Präsidenten an sechs Tagen insgesamt
13 Plenarvorträge und 15 thematisch ergänzende Nachmittagsveranstaltungen zu unserem Rahmenthema, außerdem drei Führungen über den FU-Campus, zwei Konzerte und schließlich wieder eine ganztägige Exkursion. Insgesamt 270 Teilnehmer/innen waren registriert.

Das Rahmenthema nahm Bezug auf aktuelle wissenschaftliche und politische Diskussionen:

Die Welt ist im Wandel, nötig sei ein "Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation" zu einer nachhaltigen Entwicklung. So hatte es der "Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen" im Jahr 2011 in einem ausführlichen Gutachten beschrieben. Beteiligt war daran Prof. Reinhold Leinfelder (FU Berlin), der den einleitenden Vortrag hielt. Der Mensch sei ein geologischer Faktor geworden ("Anthropozän") nicht nur beim Klima, sondern auch bei Landnutzung, Überfischung und Vermüllung der Ozeane, bei der Ausnutzung von Bodenschätzen.

Der 5. Sachstandsberichtes des Weltklimarates (IPCC), veröffentlicht Anfang 2014, beschreibt die Klimaveränderungen, die der Mensch verursacht hat. Er zeigt, welche dramatischen Folgen die fortschreitende Erderwärmung für Menschen, Tiere und Vegetation in einzelnen Regionen und für die Ozeane hat. Einer, der an dem Bericht an maßgeblicher Stelle mitgewirkt hat, war Prof. Ulrich Cubasch (FU Berlin). Er machte klar, welch breiter, weltweiter Konsens dazu in der Wissenschaft besteht.

Die Weltbevölkerung wird zunächst weiter wachsen, vor allem in den armen Ländern. Das führt zu großen Krisen und vergrößert die Umweltbelastungen. Aber in 80 Ländern ist die Fertilitätsrate dank Wohlstand, Bildung und Geschlechtergerechtigkeit so weit gesunken, dass die Bevölkerung schrumpft. Dr. Reiner Klingholz (Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung) legte dar, dass auch eine schnelle Entwicklung der armen Länder notwendig ist, damit der Bevölkerungsdruck auch dort nachlässt. Die Postwachstumsgesellschaft sei unvermeidlich.

Die Archäologin Dr. Elke Kaiser (FU Berlin) brachte Beispiele für anthropogen verursachte Veränderungen der Umwelt seit der Jungsteinzeit und stellte das neue Konzept der Landschaftsarchäologie vor.

Prof. Joachim Radkau (U Bielefeld) bezog sich auf den akademisch- politischen Diskurs zu Allmende, also der gemeinschaftlichen Nutzung von Land/ Wasser/ Klima. Führt das zu Kollaps und Ökokatastrophen wie es in populären Büchern manchmal dargestellt wird? Seiner Meinung nach gäbe es zum Glück auch Beispiele für das Lernen von Gesellschaften etwa durch die Umweltschutzbewegung.

Nur ein winziger Teil des Wassers auf unserem blauen Wasserplaneten ist Trinkwasser. Die FU-Vizepräsidentin, Prof. Brigitta Schütt, erläuterte in ihrem Referat, dass es bei Wasserknappheit in vielen Regionen nicht nur um technische Lösungen geht, sondern vor allem um Aufklärung, Bewusstseinsbildung und Management.

Grenzüberschreitende Konflikte um Wasser lassen sich durch Verhandlungen lösen, waren aber oft schon Auslöser für Kriege. Dr. Lutz Mez (FU Berlin) behandelte die politische Bedeutung des Themas und internationale Lösungsansätze.

Prof. Christian Callies (FU Berlin) führte vor, dass sich Umweltvölkerrecht systematisch und klar darstellen lässt, auch wenn es nicht im Einzelnen kodifiziert ist. Es komme auf transparente Verfahren an, um Vorhaben auf Umweltverträglichkeit zu prüfen und sicher zu stellen, dass nachfolgende Generationen nicht geschädigt werden.

Prof. Miranda Schreurs (FU Berlin), wie Prof. Callies Mitglied des (Bundes-) Sachverständigenrates für Umweltfragen, stellte den Stand der internationalen Verhandlungen über die globalen Entwicklungs- und Klimaprobleme vor. Es gäbe zwar Fortschritte, aber zur Zeit keine Aussichten auf verbindliche weltweite Vereinbarungen. Daher komme es auf abgestimmte regionale und nationale Vereinbarungen und auf lokale Initiativen an. Besondere quantitative und politische Bedeutung habe dabei das Verhalten in den USA und in China.

Nachhaltige Entwicklung erfordert bei jedem Einzelnen die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks, die Steigerung der Lebensqualität und die Teilhabe. Nach Prof. Gerhard de Haan (FU Berlin), Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, erreiche man das nur zum Teil durch Bildung in Schulen und Universitäten und über Medien. Wichtiger als Wissen seien Einstellungen und Emotionen.

Prof. Peter Preisendörfer (U Mainz) verstärkte diese Einschätzung noch. Aber auch strukturell-situative Rahmenbedingungen, vor allem auch Preisfestlegungen und Anreize seien wichtig, um Umweltverhalten zu beeinflussen.

Bei der Lebensmittelproduktion stehen global betrachtet die Tierhaltung und Ernährung von Menschen in Konkurrenz zu einander. Prof. Jürgen Zentek (FU Berlin) stellte dazu die weltweiten Vernetzungen und Verkettungen der Produktströme und die gewaltigen Leistungssteigerungen bei Tierzucht und Tierhaltung dar. Gesundheit der Tiere und ökologische Aspekte müssten aber stärker beachtet werden. Das ethische Dilemma bei tierischen Lebensmitteln sei nicht auflösbar.

Die weitere Steigerung der weltweiten Nahrungsmittelproduktion sei angesichts weiter steigender Weltbevölkerung und angesichts 1 Mrd. hungernder Menschen ein zentrales Thema der Politik. Prof. Harald von Witzke (HU Berlin) forderte, dass die Wissenschaft noch stärker als bisher zur Produktivitätssteigerung auf den nur begrenzt ausweitbaren Agrarflächen beitragen müsse. Die Nahrungslücke der armen Länder könne nur durch Exporte der Industrieländer geschlossen werden.

Wie es schon Tradition ist, gab es auch zwei Kulturveranstaltungen: ein Konzert der Band Valdorado mit Musik aus verschiedenen Kulturen und einen Chanson-Abend von Annika Krump "Berlin ist eine Frau".

Die SOMMER-UNI endete mit einer ganztägigen Exkursion mit insgesamt 82 Teilnehmenden, in diesem Jahr zum UNESCO-Weltkulturerbe "Oberharzer Wasserwirtschaft" in St. Andreasberg/ Harz, wo die Teilnehmer/innen am Beispiel Bergbau/Wassermanagement erfahren konnten, wie Menschen seit Jahrhunderten ihre Umwelt nachhaltig nutzen.

Die FU Berlin hat uns mit dem großen Hörsaal 1b der Rostlaube und den nicht weit entfernten Seminarräumen und der benachbarten Mensa gute Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen und technische Unterstützung gegeben. Dafür sind wir sehr dankbar. Zu danken ist auch Herrn Professor Harm Kuper vom Institut für Erziehungswissenschaft der FU Berlin, der einen Teil der Vorbereitung und Planung dieser BERLINER SOMMER-UNI übernommen und begleitet hat.

Wie immer aber wäre die Sommer-Uni ohne das vielfältige, große und ehrenamtliche Engagement vieler Mitglieder der BERLINER AKADEMIE gar nicht denkbar und durchführbar gewesen.

Wir freuen uns gemeinsam über den schönen Verlauf und den Erfolg.

Traugott Klose


PDF-Download der Nachbetrachtung zur BERLINER SOMMER-UNI 2014

Nachbetrachtung zur BERLINER SOMMER-UNI 2013

Rückblick auf die 28. BERLINER SOMMER-UNI 26.8. – 1.9.2013
in der HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN

"Was ist Leben und wie gelingt es?"
Auseinandersetzung mit Erkenntnissen der Lebens-, Geistes- und Sozialwissenschaften

Wir haben zu dieser großen und alten Frage der Menschheit 13 Plenarvorträge aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen gehört, vornehmlich aus der Humboldt-Universität Berlin. An vier Nachmittagen gab es insgesamt 20 ergänzende Veranstaltungen und Führungen. Insgesamt 346 Teilnehmer/innen waren registriert.

Unter dem Tagesthema "Verständnis vom Leben" stellte zunächst Prof. Hammerstein Erkenntnisse und Vorgehensweise der Theoretischen Biologie vor: Die Evolutionstheorie von Charles Darwin wird heute präziser formuliert, so dass man daraus strategische Analysen und Forschungshypothesen für die experimentelle Nachprüfung und für Computersimulationen ableiten kann. Es geht um gegensätzliche und gemeinsame Interessen einzelner Individuen, Spezies, um Konflikte, Wettrüsten und Kampf in einer "grausamen" Natur. Beim Menschen wird diese durch Zivilisation und Kultur gebändigt.
Darauf bezog sich dann der Theologe Prof. Slenczka, der Religion als Selbstwahrnehmungshilfe zum Verstehen, zur Deutung des Lebens sieht. Der Leib-Seele Dualismus der alten griechischen Philosophen sei letztlich nicht vom Christentum übernommen worden. Der Mensch mit seinem Leib sei Geschichte vor Gott, so seien biblische/ kirchliche Aussagen zur Auferstehung der Toten und zum Ewigen Leben zu interpretieren.
Die Biologin K. Vohland behandelte dann den Menschen als Teil des Ökosystems Erde: Warum ist es für den Menschen wichtig, Biodiversität zu erhalten? Wie misst und bewertet man diese?. Zum Erhalt von Biodiversität sei der Weg über Ökonomisierung ("Ökosystemdienstleistungen") nicht ausreichend. Es seien politische Rahmensetzungen auf internationaler Ebene notwendig.

Zum Tagesthema des zweiten Tages "Körper – Geist" führte der Neurowissenschaftler Prof. Haynes zunächst vor, was Hirnforschung bereits erklären kann: Aktivitätsmuster im Gehirn stehen in Zusammenhang mit bestimmten Wahrnehmungen und Handlungen, Gedanken sind im Gehirn codiert. Aber es gibt (noch) sehr viel, was die Hirnforschung noch nicht versteht, wegen der großen Komplexität des Gehirns, der Vielfalt der Einflüsse, der begrenzten technischen Möglichkeiten. Zwar gebe es erste praktische Anwendungen über Gehirn-Computer-Schnittstellen, aber man sei noch sehr weit weg von Manipulationsgefahren. Der Philosoph Prof. Keil setzte sich in seinem Vortrag zur Willensfreiheit dann kritisch mit unpräzisen Versuchsanordnungen und Übertreibungen einiger Hirnforscher auseinander: Er sieht die Freiheit des Menschen für Entscheidungen nicht prinzipiell gefährdet. Der Mensch bleibe für das gelingende Leben selbst verantwortlich.

Um "Lebensführung" ging es am dritten Tag. Der Professor für Praktische Philosophie Th. Schmidt sprach über moralische Fehler, also Abirrungen vom Pfad gelingenden Lebens. Wie geht man im Alltag damit um, mit rechtfertigenden oder genuinen Entschuldigungen? Worin besteht Verzeihen?
Prof. Ludwig schilderte dann, wie die moderne Soziologie die Lebensführung des Individuums in der Gesellschaft zu erfassen versucht. Wie lässt sich ein Gleichgewicht zwischen Anforderungen, Ressourcen und Bedürfnissen herstellen? Für den Prozess der Selbst- und Weltverständigung spiele Bildung eine zentrale Rolle.

Unter dem Tagesthema "Entwicklung und Erhalt von Kompetenzen" zeigte der Erziehungswissenschaftler Prof. Tenorth mit typischen Bildern/Darstellungen, wie unterschiedlich Kindheit in der Geschichte wahrgenommen worden ist und wie sie gesellschaftlich geprägt ist. Heute bestehe einerseits die Gefahr einer Überwältigung von Kindern, durch Eltern, Schule und Wissenschaft, andererseits gebe es Zivilisationsfortschritte, feststellbar am zentralen Begriff des Kindeswohls.
Maßgeblich zur Entwicklung von Kompetenzen war für den Psychologen, Prof. Jerusalem das Konzept der Selbstwirksamkeit. Die breitesten Erfolge in der Bildung würde man durch Individualisierung, Transparenz und Wahlmöglichkeiten erreichen und durch einen Erziehungsstil, der persönliche Wärme und Anforderungen vermittelt.

Inhaltlich fortgesetzt wurde diese Thematik am fünften Tag, Lernen über die Lebenspanne", mit dem Vortrag der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Blömeke. Sie stellte den gegenwärtigen bildungspolitischen Diskurs vor dem Hintergrund international vergleichender Schulstudien vor. Weltweit sei Bildung zur Allzweckwaffe im internationalen Konkurrenzkampf der Nationalstaaten geworden. Überall (von Albanien über China bis Zimbabwe) gebe es jetzt zumindest auf dem Papier ähnliche Konzepte, real jedoch riesige Unterschiede.
Die Erwachsenenpädagogin Prof. von Hippel behandelte die Faktoren, die das Weiterbildungsverhalten von Erwachsenen prägen, darunter insbesondere die sozialen Milieus, die durch eine bestimmte soziale Lage, aber auch durch bestimmte Werthaltungen und Lebensstile definiert werden.

Am sechsten Tag ging es um "Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelt". Der Soziologe und neue Leiter des Instituts für Zukunftsstudien und Technologie-bewertung, Prof. Opielka, konzentrierte seinen Vortrag vor dem Hintergrund der gegenwärtigen technologischen, sozialen und demographischen Trends in Deutschland auf die Frage wie das gesellschaftspolitische Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens sozialphilosophisch begründet werden kann und welche Wirkungen es entfalten könnte.
Der Sozialwissenschaftler Prof. Käpplinger lieferte die empirischen Befunde über die Veränderung von Erwerbsbiografien nach, die sektoral, regional und im Zeitverlauf höchst unterschiedlich sind und auf die vor allem mit Weiterbildung reagiert werden muss.

Wie es schon Tradition ist, gab es auch wieder kulturelle Begleitveranstaltungen, eine Konzertveranstaltung mit Harfen- und Bratschenmusik, eine Lesung zu Leben und Werk von Mascha Kaléko.
Die Sommer-Uni endete wieder mit einer ganztägigen Exkursion mit insgesamt 100 Teilnehmenden, in diesem Jahr nach Dresden zum Deutschen Hygiene-Museum (Ausstellungen "Abenteuer Mensch" und "Reichtum als Faszination und Skandal") und zum Schloss Pillnitz.

Neu und ungewohnt war in diesem Jahr der Veranstaltungsort auf dem Campus Nord der HU Berlin, wohin die SOMMER-UNI ausweichen musste. Der 130 Jahre alte, schön restaurierte holzgetäfelte Emil-Fischer-Hörsaal erinnerte einerseits an alte Traditionen der Universität in der Kaiserzeit, aber auch an die DDR-Zeit mit der berühmten Robert-Havemann-Vorlesung ("Dialektik ohne Dogma"), andererseits war er mit vielen Treppen, steil ansteigenden Sitzreihen und schwieriger Akustik für manche Teilnehmer/-innen sehr beschwerlich. Das galt auch für die alten, noch nicht renovierten Hörsäle in der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät an den Nachmittagen. Aber der Campus-Nord passte auch zu dem diesjährigen Thema "Was ist Leben…", weil hier jetzt der Bereich Lebenswissenschaften der HU Berlin konzentriert und ausgebaut werden soll. Gegenüber dem Emil-Fischer-Hörsaal und der neuen sehr ansprechenden Mensa Nord in einem ehemaligen Waschhaus der Charité entsteht ein großer Neubau für die Lebenswissenschaften.

Zu danken ist insbesondere Frau Professorin Wiltrud Gieseke vom Institut für Erziehungswissenschaft der HU Berlin, die einen ganz wesentlichen Teil der Vorbereitung und Planung dieser BERLINER SOMMER-UNI übernommen hat und sie zusammen mit drei studentischen Mitarbeiterinnen begleitet hat. Wie immer aber wäre die Sommer-Uni ohne das vielfältige, große und ehrenamtliche Engagement vieler Mitglieder der BERLINER AKADEMIE gar nicht denkbar und durchführbar gewesen. Wir freuen uns gemeinsam über den schönen Verlauf und den Erfolg.

Traugott Klose


PDF-Download der Nachbetrachtung zur BERLINER SOMMER-UNI 2013

Nachbetrachtung zur BERLINER SOMMER-UNI 2012

Rückblick auf die 27. BERLINER SOMMER-UNI vom 27.8. – 2.9.2012 in der Technischen Universität Berlin

Unser Rahmenthema "Humane Zukunft durch technische und soziale Innovationen" entspreche dem neu beschlossenen Leitbild der Technischen Universität Berlin, so begrüßte uns am ersten Tag die Vizepräsidentin, Frau Dr. Gabriele Wendorf. Es sei Ziel der TU "dem Humanismus verpflichtete Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen" zu finden. Und aus den fünf neu definierten Forschungsschwerpunkten der TU stammten im Prinzip auch die Themen der nächsten Tage. Insgesamt hörten 273 registrierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer 13 Plenarvorträge. Es gab 20 Seminare, Führungen und Besichtigungen an den Nachmittagen.

"Das Menschenbild in der technisierten Welt" stand als Tagesthema über den ersten drei Vorträgen. Der Philosoph Prof. Günter Abel sprach von den Kränkungen, die Neurowissenschaftler und Ingenieure dem Selbstbild des Menschen zufügen, wenn sie sagen "Du bist Dein Gehirn", "Du bist Software". Und er verteidigte das Ich/Ego des Menschen, der in Beziehung mit der Welt und mit anderen Menschen lebe und Verantwortung habe. Aus einem solchen Menschenbild ergäben sich Anforderungen an technische Entwicklungen. Ihm antwortete der Informatiker, Prof. Oliver Brock. Die Robotik wolle Artefakte schaffen, die den "TÜV" von Prof. Abel bestehen. Es gehe darum technische Wahrnehmungssysteme weiter zu entwickeln und die Beziehung zur Umwelt mit einfachen Systemen zu organisieren (Beispiel "denkende Hand"). Es werde immer häufiger Systeme geben, wo physikalische und virtuelle Welt verschmelzen ("cyber-physical systems"). Eine weitere Antwort kam von dem Maschinenbauer Prof. Henning Meyer, der an Beispielen schilderte, wie die Anforderungen im Ingenieurberuf gewachsen seien und welche Bedeutung soziales und ökologisches Verantwortungsbewusstsein habe.

Am zweiten Tag ging es um "Technische Infrastruktur". Der Verfahrenstechniker Prof. Frank Behrendt behandelte mit vielen Zahlen die technischen und sozialen Herausforderungen, die mit der politisch gewollten Energiewende in Deutschland und Europa verbunden sind. Die bloße Fortschreibung des positiven Trends bei Energieeffizienz und beim Einsatz erneuerbarer Energie reiche nicht aus. Es müssten erhebliche technische Innovationen hinzukommen. Das Thema des ausgefallenen Plenarvortrags über die nachhaltige Gestaltung von Megastädten wurde in kleinerem Rahmen am Nachmittag dargestellt.

Mit nachhaltigem Ressourcenmanagement am Beispiel "Sauberes Trinkwasser" beschäftigte sich der Vortrag von Prof. Stephan Pflugmacher Lima. Während die Situation in Berlin, sowie in Mittel- und Nordeuropa noch relativ günstig sei, sei sie in vielen anderen Teilen der Welt dramatisch schlecht. Als Ökotoxikologe beschäftigt er sich insbesondere mit Toxinen, die durch Mensch und Natur entstehen und durch geschickte Öko-Maßnahmen entscheidend reduziert werden können. Im anschließenden Vortrag schilderte die Ingenieurin und Sozialwissenschaftlerin Prof. Martina Schäfer, wie menschliche Alltagsroutinen und Konsumentenverhalten in Richtung Nachhaltigkeit gesteuert werden können.

Zum Thema des vierten Tages "Klang/Geräusch/Lärm und menschliches Empfinden" führte der Experte für Audiokommunikation, Prof.Stephan Weinzierl, in eindrucksvoller Weise vor, wie Wissenschaft und Technik den musikalischen Kommunikationsprozess untersuchen und verbessern helfen. Prof. Markus Hecht, Experte für Schienenfahrzeugtechnik, demonstrierte mit vielen Fakten, dass die Umweltbeeinträchtigung durch Bahnlärm eigentlich noch gravierender sei als die durch Straßen- und Fluglärm. Aber der politische Wille zum notwendigen Ausbau des Bahnverkehrs und zur Umsetzung technisch möglicher Maßnahmen zur Reduzierung des Bahnlärms sei in Deutschland zu schwach ausgeprägt. Das Thema Fluglärm war am Nachmittag Gegenstand von zwei kleineren Veranstaltungen ("Das leise Verkehrsflugzeug" und "Visualisierung von Flugbewegungen und Fluglärm"). Passend zum Tagesthema hörten wir am Abend ein eindrucksvolles Konzert von zwei jungen Perkussionisten.

Zum Thema "Kommunikation" hat die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Helga Marburger am nächsten Tag noch einmal systematisch klar gemacht, wie Kultur als Orientierungssystem den menschlichen Kommunikationsprozess beeinflusst und entscheidend dabei ist, ob Kommunikation gelingt oder scheitert. Ebenfalls Erziehungswissenschaftlerin war Frau Dr. Rendant, die Prof. Wilfried Hendricks vertrat und in einer empirischen Studie herausgefunden hat, dass das Internet für Ältere nicht nur praktisch ist, sondern auch eine sozialintegrative Funktion hat.

Der letzte Hörsaaltag wurde wieder von einem Philosophen eingeleitet. In sehr lockerer Form erklärte Prof. Thomas Gil, wie demokratische Technikbewertung als kontinuierlicher kollektiver Lern- und Interaktionsprozess funktionieren sollte. Den dramatischen Abschluss bildete der Vortrag von Prof. Jürgen Kropp vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. Er zeigte an der Erdgeschichte, dass durch große Klimaveränderungen nicht nur viele Tierarten, sondern in Folge eines großen Vulkaneinbruchs auch fast einmal die Menschheit ausgestorben wäre. Der jetzige anthropogene Anstieg der mittleren Temperatur verlange nicht nur eine andere Energieversorgung, sondern andere Lebensstile und die entschiedene Fortsetzung eines Aushandlungsprozesses zur Entwicklung der unterschiedlichen Weltregionen.

Die Exkursion am letzten Tag führte 98 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Wolfsburg in das eindrucksvolle PHAENO- Wissenschaftsmuseum, entworfen von Zaha Hadid, und in die Erlebniswelt der VW-Autostadt.

Traugott Klose


Kommentar von Marion und Joachim Kroll

"Nachhaltigkeit bestimmte die Sommer-Uni 2012 und das lässt sich durchaus auf die Organisation der Vorlesungen und der Exkursion übertragen. Wir bedanken uns dafür recht herzlich bei Ihnen und Ihrem Team."

Nachbetrachtung zur BERLINER SOMMER-UNI 2011

Die 26. BERLINER SOMMER-UNI fand vom 29. August bis 4. September in der Universität der Künste (UdK) statt.

Mit dem Thema "Zukunft: Herausforderungen kreativ wahrnehmen und gestalten" wurde eine Brücke von der vorangegangenen SOMMER-UNI an der Freien Universität Berlin über "Krisenbewältigung als Chance" hin zur Veranstaltung 2012 an der Technischen Universität Berlin über "Humane Zukunft mit technischen und sozialen Innovationen" geschlagen.

Die diesjährige Veranstaltung besuchten 287 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Die Resonanz war ausgesprochen positiv. Ein Beleg dafür ist die schriftliche Äußerung von Bärbel und Wolfdieter Eilers aus Oldenburg i.O.:

"Die im wesentlichen von Dozenten/innen der UdK …. gehaltenen Referate und Beiträge waren hoch interessant und anspruchsvoll, jedoch stets so vorgetragen, dass auch der engagierte Laie ihnen ohne weiteres folgen konnte. Daneben wurden – jeweils für eine begrenzte Teilnehmerzahl – Seminare, Workshops, Exkursionen und Führungen (und kulturelle Abendveranstaltungen) geboten. Wenn man ein Fazit aus der Gesamtheit aller Veranstaltungen ziehen wollte, drängt sich die Erkenntnis auf, dass eine menschenfreundliche Gestaltung heutiger und zukünftiger Gesellschaften unabdingbar auch auf künstlerische Kreativität angewiesen ist; oder wie es der Präsident der UdK, Prof. Martin Rennert, formuliert hat: "Kunst und Kultur sind keine Luxusaccessoires, sondern integraler Bestandteil jeder Zivilisation und daher von höchster gesellschaftlicher Relevanz." Die Aktivität der BERLINER SOMMER-UNI strahlt über die Stadt hinaus, wie nicht zu letzt auf einem Abend für auswärtige Teilnehmer festzustellen war. Es waren Gäste aus vielen Bundesländern und dem benachbarten Ausland angereist. Den weitesten Weg hatte allerdings eine ehemalige Berlinerin mit dem jetzigen Wohnsitz in Kalifornien zurückgelegt. Die Teilnahme an der diesjährigen SOMMER-UNI war aus unserer Sicht wieder außerordentlich bereichernd, so dass wir der nächste Veranstaltung schon erwartungsvoll entgegen sehen."

Die 27. BERLINER SOMMER-UNI wird vom 27. August bis 2. September an der Technischen Universität Berlin stattfinden.

Einen Eindruck der diesjährigen SOMMER-UNI vermittelt Ihnen die Bilddokumentation.

Prof. Dr. Ortfried Schäffter

Nachbetrachtung zur BERLINER SOMMER-UNI 2010

Am 30. August feierte die BERLINER SOMMER-UNI an ihrem Ursprungsort, der Freien Universität Berlin, ihr 25-jähriges Jubiläum. Musikalisch umrahmt vom Trio Muzet-Royal und mit einem Rückblick auf die Anfänge von Prof. Dr. Ortfried Schäffter, sowie einem anschließenden Empfang wurde dieses Ereignis zum Auftakt der diesjährigen Veranstaltung gewürdigt. Die 25. SOMMER-UNI stand unter dem Thema: Aus der Gegenwart in die Zukunft — Krisenerfahrung als Chance. Unmittelbarer Anlass für die Themenwahl war die Finanzkrise im Herbst 2008. Bei der Planung zeigte sich jedoch schnell, dass die Ursachen tiefer liegen, nämlich in einer globalen Sinnkrise, die viele Lebensbereiche erfasst. Deshalb waren die Schwerpunkte der SOMMER-UNI breit angelegt: Sie richteten sich auf die Wahrnehmung von Verantwortung und auf Fehlentwicklungen in historischen, ökonomischen und ökologischen Dimensionen; die technische und soziale Kontrolle; die Persönlichkeitsentwicklung und Bildung sowie Schlussfolgerungen für die Zukunft.

Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement der Freien Universität Berlin ist es gelungen, für die einzelnen Vorträge namhafte Wissenschaftler zu gewinnen. Die grundlegenden Vorträge an den sieben Vormittagen wurden nachmittags durch vertiefende Referate, Seminare und Exkursionen ergänzt. Das Rahmenprogramm bot Führungen zur Geschichte des preußischen Wissenschaftsstandorts Dahlem, zur Architektur und Geschichte der Freien Universität Berlin und durch die Vodou-Ausstellung im Ethnologischen Museum Dahlem Außerdem fanden Exkursionen zum Bundesumweltamt, dem Botanischen Garten und dem Comenius-Garten statt. Abgerundet wurde das Programm durch einen Kabarett-Abend sowie eine Fahrt zu den Seelower Höhen und Schloss Neuhardenberg.

Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde die SOMMER-UNI außerordentlich positiv aufgenommen. Besonders hervorgehoben wurden die gute Auswahl der Referenten und deren Vorträge, die gelungene Fahrt und die gute Organisation.

Zum Erfolg haben auch wesentlich die räumlichen Bedingungen in der Freien Universität Berlin und die umsichtige Unterstützung durch deren Mitarbeiter beigetragen.

Allen, die an der Vorbereitung und Durchführung der diesjährigen SOMMER-UNI mitgewirkt haben, vor allen Dingen den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und denjenigen, die das Rahmenprogramm vorbereitet und begleitet haben, sei herzlich gedankt.

Der Dank gilt auch den Mitgliedern der Freien Universität Berlin für Ihre Mitarbeit und Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung sowie dem Präsidium der Freien Universität Berlin, ohne deren Zusage die BERLINER SOMMER-UNI 2010 nicht möglich gewesen wäre.

Jochen Denzin, für den Vorstand der BERLINER AKADEMIE für weiterbildende Studien e.V.

Berliner Sommer-Uni

32. BERLINER SOMMER-UNI an der Humboldt-Universität
28. August – 3. September 2017
"Material - Wissen - Kultur
zur Diskussion um das Humboldt Forum"

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